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“Religion ist das Opium des Volkes!”
…hat Karl Marx gesagt.
Und in gewisser Weise hat er sicherlich damit recht, schliesslich geht es oberflächlich betrachtet in der Religion um Glauben und nicht um kritisches Hinterfragen, wie es im politischen Sinne wünschenswert wäre. Sicherlich ist es so, dass Menschen die eine klar religiöse, spirituelle oder esoterische (wie auch immer wir es nennen wollen) Ausrichtung haben, weniger interesse an weltlichen Angelegenheiten haben. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass es ein wertvoller Beitrag für die moderne Gesellschaft ist sich auf Gott (was auch immer man darunter versteht) hinzu zu bewegen und mehr und mehr aus der Liebe heraus zu handeln. So wie Goethe sinngemäß sagte:
„Wenn jeder vor seiner eigenen Tür kehren würde, dann wäre die ganze Welt sauber.“
Auf der anderen Seite möchte ich betonen, dass es eben nicht darum geht zu einem verbohrten und verirrten Fundamentalisten oder Dogmatiker zu werden, sondern zu einem freien, offenen und glücklichen Menschen.
Begriffsklärung:
Ich finde es wichtig gerade bei diesem Thema Worte klar zu definieren und diese nicht aus dem Kontext zu reissen um Missverständnisse zu vermeiden. Gerade in dem Bereich gibt es sehr viel Verwirrungen und daraus entstehen Konflikte und gar Krieg. Der Unterschied zwischen den Begriffen Spiritualität, Esoterik, Religion und artverwandten Begriffen erschliesst sich erstmal nicht aus der unmittelbaren Bedeutung:
Spiritualität:
kommt vom lateinitschen “Spiritus: Atem, Hauch oder übertr. Lebenshauch, Geist” oder “Spiro: Ich Atme” und meint eine Hinwendung zum Wesentlichen, Transzendenten, Göttlichen oder Geistigen. Laut Brockhaus (2004) ist das Wort gleichbedeutend mit “Frömmigkeit”, wobei der Duden sagt „Geistigkeit; inneres Leben, geistiges Wesen“, also ist dieser Begriff sehr unscharf. Zumal es im englischen synonym für Religion gebraucht wird. Das Lexikon der Psychologie (2003) präzisiert es ein wenig: „die durch seinen Glauben begründete und durch seine konkreten Lebensbedingungen ausgeformte geistig-geistliche Orientierung und Lebenspraxis eines Menschen“. Ich denke es geht denen die dieses Wort gerne verwenden (und dazu gehöre ich auch) wohl um eine Abgrenzung zur institutionalisierten Religion, obwohl beide eine vergeistlichung wollen und die Gottes- oder Selbsterkenntnis als Ziel haben. Der Deutsche Philosoph Thomas Metzinger gibt folgende Definition für den Begriff Spiritualität:
1. nicht-theoretisch (also durch praktische Erfahrung gewonnen)
2. nicht-propositional (keine Aussagen mit einem logischen Wahrheitsgehalt)
3. nicht-kognitiv (es geht nicht um gedankliche Einsichten)
4. nicht-diskursiv (die Erkenntnis ist sprachlich nicht kommunizierbar, sie kann höchstens angedeutet werden).
Und dadurch hebt sie sich von dem nächsten Begriff ab, die zumindest in der institutionalisierten Form meist über mehrere dieser Punkte verfügt. Also Mit Spiritualität ist wohl die Orientierung zu geistigen Themen oder zur Selbsterkenntnis gemeint, ganz offen und zunächst Konzeptfrei.
Religion:
kommt vom lateinischen “Relegere: immer wieder lesen, aufsammeln, aufwickeln”; oder von “Religare: Zurück (ver) binden”, aus meiner Sicht am sinnigsten ist zweiteres, also eine “wiedervereinigung mit dem Göttlichen”. Wobei dieses eben wieder unpräzise ist, weil es unterschiedliche Konzepte von Gott gibt und zB. der Buddhismus gar nicht von Gott spricht. Im Lateinischen wurde das Wort aber auch genutzt für Begriffe wie: „Gottesfurcht“, „Frömmigkeit“, „Heiligkeit“, aber auch „Rücksicht“, „Bedenken“, „Skrupel“, „Pflicht“, „Gewissenhaftigkeit“ oder „Aberglaube“.
Auch das Kirchenlexikon im Internet sagt:
“Der Religionsbegriff ist unscharf und schwer abgrenzbar. Religion kann sowohl die Rückbindung und Hinordnung zu Gott, die Begegnung mit dem Transzendenten als auch die richtige Beobachtung des Kultes bedeuten. Aus religiösen Überzeugungen entsteht ein System von Handlungsrichtlinien und Glaubensvorstellungen, die das menschliche Leben ordnen sollen.”
Und somit denke ich, es ist mit Religion eine institutionalisierte Sinnsuche (“System von Handlungsrichtlinien und Glaubensvorstellungen”) gemeint, die daher sicherlich dem Gedanken von Marx entspricht, weil die Sinnsuche eben nicht ergebnissoffen und frei ist. Die Institutionalisierte (zB Katholische Kirche) bzw. elitär gesteuerte (zB Hinduismus) Sinnsuche gibt Konzepte vor, und vereinheitlicht das höchste Ziel in eine bestimmte Richtung. Damit ist sie ein Instrument zur Machterhaltung und führt das Individuum nur in seltenen Fällen zur individuellen Freiheit.
Religionsgemeinschaft:
Eine solche ist dann die tatsächliche Institution die Angehörige eines “Glaubens” (auch wieder so ein Wort…) unter ihrem Dach vereint und theologische Themen und Konzepte vorgibt. Hierin besteht meiner Meinung nach die Gefahr einer Verwässerung der Ursprünglichen Idee, so wie die Katholische Kirche die Ideen von Jesus Christus sicherlich in ihrem (machterhaltenden) Sinne verdreht.
Esoterik:
Damit ist ursprünglich klar etwas anderes gemeint als für was es heute üblicherweise Verwendung findet. Es kommt aus dem Griechischen und bedeutet: „innerlich“ oder „dem inneren Bereich zugehörig“ und es geht um eine Geheimlehre die nur “dem inneren Zirkel” zugänglich war und ist. Im Gegensatz zu “Exoterisch” was “Äusserlich” oder “von Aussen” bedeutet und jedem zugänglich ist und war. Und so gibt es in verschiedenen Kulten, Sekten und Religionen Lehren die nach aussen gegeben werden bzw. die Neulinge bekommen, und Lehren die Eingeweihten vorbehalten war. Das Wort kann von der Bedeutung her auch „unverständlich“, „geheimnistuerisch“, „weltfremd“ meinen und ist erst seit etwa 200 Jahren im deutschen Sprachgebrauch. Die meisten benutzen es wohl eher im Sinne von “Das innere betreffend” oder “das geistliche angehend”, ohne zu sehen, dass es ursprünglich um geheimes ging. Klassischer Weise werden Kabbhalisten, Hermetiker, Rosenkreuzer und Theosophen als Esoteriker bezeichnet. iOft wird der Begriff sehr verwässert, so zB “Esoterikladen” oder “Esoterikmesse”, wäre es die Lehre eines inneren Zirkels, würde man sich nicht kaufen können…
Mystik:
Auch dieser Begriff ist schwammig, er kommt aus dem Griechischen “mystikós” „geheimnisvoll“ also im Sinne von “das Geheimnis der Erkenntis Gottes lüften”, oder von “myo” griech. “schließen” also “Augen zu machen und nach innen gehen”. Und dieses Wort umschreibt wohl am ehesten worum es im Yoga, der Selbstfindung und der Gottesliebe geht.
Natürlich will niemand sich im Marx`schen Sinne betäuben und durch Glaube und Hoffnung an übersinnliches die Probleme in der Welt Ignorieren. Aber es besteht eine Gefahr in den mystischen Wegen, Religiösen Ansichten, Spirituellen Pfaden und Esoterischen Lehren sich in einer Scheinwelt zu verlieren. Und daher empfehle ich immerwieder den Realitätscheck zu machen und sich mit der ganz normalen Welt und seinen Menschen da draussen zu befassen. Es ist gut und wichtig für eine bessere Welt zu meditieren, aber wir müssen auch konkret Handeln!
Hier übrigens eine Liste mit den wichtigsten Religionen der Welt und der Anzahl der zugehörigen,
Quelle: Wikipedia, 2007
- Christentum (2,1 Milliarden)
- Islam (1,5 Milliarden)
- Säkulare, Nichtreligiöse (1,1 Milliarden)
- Hinduismus (900 Millionen)
- Traditionelle chinesische Religionen (394 Millionen)
- Buddhismus (376 Millionen)
- Nichtafrikanische indigene Religionen (300 Millionen)
- Traditionell afrikanische Religionen (100 Millionen)
- Sikhismus (23 Millionen)
- Spiritismus (15 Millionen)
- Judentum (14 Millionen)
- Bahai (7 Millionen)
- Jainismus (4,2 Millionen)
- Shintoismus (4 Millionen)
- Caodaismus (4 Millionen)
- Zoroastrismus (2,6 Millionen)
- Tenrikyō (2 Millionen)
- Neopaganismus (1 Million)
- universalistischer Unitarismus (800.000)
- Rastafari (600.000)
- Scientology (500.000)
Das Selbe für Deutschland:
- Nichtreligiöse (26,21 Millionen oder 31,9 %), Stand: 13/05/2009
- Römisch-Katholische Kirche (25,46 Millionen oder 31,0 %), Stand: 13/05/2009
- Evangelische Landeskirchen (24,83 Millionen oder 30,2 %), Stand: 13/05/2009
- Islam (gesamt: 3,5 Millionen oder 4,26 %), Stand: 25/09/2008
- Neuapostolische Kirche (0,37 Millionen), Stand: 31/12/2006
- Buddhismus (gesamt: 0,25 Millionen), Stand: 31/12/2005
- Judentum (gesamt: 0,20 Millionen), Stand: 31/12/2005
- Jehovas Zeugen (gesamt 0,165 Millionen), Stand 31/12/2006
- Hinduismus (gesamt: 0,088 Millionen), Stand: 31/12/2005
Wobei solche Zahlen natürlich sehr schwammig sind. Ich zB bin Mitglied der Katholischen Kirche, Sympatisiere mit den Buddhisten und wäre als vedantischer Yogi wohl am ehesten dem Hinduismus zugeordnet.




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