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Vishnu, Narayana, Hari, Krishna, Rama

Vishnu ruht vor der nächsten Schöpfung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vishnu Avatare

Vishnu ist neben Shiva einer der beiden wichtigsten Aspekte des einen höchsten Prinzips welches man Gott nennen kann. In der Indischen Mythologie gibt es vielfältige Ansätze davon, wie man sich ein umfassendes Bild von Gott machen kann. Vishnu heißt wörtlich “Der Alldurchdringende” und deutet auf das unfassbare und unbeschreibliche Göttliche hin, welches eben jenseits aller Vorstellungen und Konzepte ist. Vishnu wird bereits in den vedischen Schriften erwähnt, die schulwissenschaftlich gesehen über 4,5 Tausend Jahre alt sind. Verschiedene uralte Texte der Inder sprechen Vishnu auch unterschiedliche Rollen und Bedeutungen zu. Ebenso wie Rudra der später zu Shiva wurde, hatte auch Vishnu im laufe der Zeit eine große Entwicklung in der Wichtigkeit innerhalb des Hinduismus durchgemacht. Waren es im alten Indien vor über 3000 Jahren noch die Urkräfte der Natur wie Feuer (Agni), Luft (Vayu), Wasser (Varuna) und Sonne (Surya) oder auch die Ganga, die als höchstes Göttliches Prinzip verehrt wurden, so bekamen Vishnu und Shiva mehr und mehr Bedeutung.

Krishna und Arjuna auf der Kutsche

Vishnu stellt eines der Drei Hauptprinzipien im Universum dar. Alles was es gibt entsteht, existiert und vergeht wieder. Und so steht Brahma für die Schöpfung, Vishnu für das Erhalten und Shiva für das vergehen oder Transszendieren. Vishnu ist also sozusagen für den Fortbestand der Schöpfung zuständig. Vishnu hat eine Shakti, eine dynamische Kraft die als seine weibliche Begleiterin in Form der Laxmi erscheint. Laxmi oder Mahalaxmi ist die Göttin der Schönheit, der Fülle, des Reichtums und des Wohlstandes und sie ist der Legende nach dem Quirlen des Ozeans aus Milch entsprungen.

Vishnu taucht in vielen der alten Hinduistischen Texte auf, so wird brereits im Rigveda 93 mal erwähnt und trinkt dort mit Indra dem Gottkönig Soma, das Rauschgetränk der Götter. Im Yajurveda wird er als Narayana erwähnt und besungen. Narayana ist eher der unpersönlche Aspekt des Prinzips Vishnu. Jeder einzelne der großen und wichtigen Götter des Hinduismus hat mindestens 108 Namen, manche sogar 1008, so gbt es auch die “Vishnusahasranama”, wobei Narayana der erste ist.

Quirlen des Ozeans aus Milch

 

Vishnu inkarniert immer mal wieder als Avatar auf der Erde um die Schöpfung zu erhalten. Dann wenn die dunkle Seite zu stark wird und der Fortbestand der Welt in Gefahr ist, kommt Vishnu um zu helfen. So gibt es unzählige Geschichten von verschiedenen Verkörperungen Vishnus die eine große Rolle in der Indischen Geisteswelt spielen.

Hier möchte ich kurz die 10 wichtigen Avatare nennen:

 

1.Matsya In dieser Form als Fisch Avatar hat Vishnu den Heiligen Vaivaswata vor dem Ertrinken rettet, Vaivaswata hat die Menschen genau wie Noah vor der Sinflut gerettet.

2.Kurma Als Schildkröte hat Vishnu die Welt gerettet indem er die Götter und Dämonen beim Quirlen des Milchozeans unterstüzte. Die Riesenschildkröte dabei ist unter den Berg Meru gekrochen um ein Absinken zu verhindern.

3.Varaha Als Eber inkarniert hat er die Welt vor dem Untergang im großen Ozean gerettet und den Dämonen Hiranyaksha getötet.

vishnu avatar narasingha

4.Narasingha In Gestalt als halb Löwe und halb Mensch hat Vishnu bei einem Dämonenkrieg die Welt vor dem bösen Hiranyakashipu gerettet, dieser hatte zuvor einen Deal mit Brahma gemacht. Er hatte das Versprechen nicht getötet werden zu können:
-weder bei Tag noch bei Nacht
-nicht durch Mensch oder Tier
-nicht durch ein von Brahma geschaffenes Wesen
-weder am Boden noch in der Luft
-nicht innerhalb oder ausserhalb eines Hauses
-weder durch einen Asura (Dämon) noch durch einen Devata (Gott)
Durch Askese bekam Hiranyakashipu solch eine Macht, das die Götter Vishnu um hilfe baten. Der Sohn von Hiranyakashipu namens Prahlada hatte aus seinem innersten heraus eine tiefe Hingabe zu Vishnu, was den Dämonenherrscher sehr störte. Er wollte ihn töten lassen, was jedoch nicht möglich war, weil er durch Vishnu auch besondere Kräfte bekommen hat. Als es zum Eklat kam und der Dämonenfürst seinen abtrünnigen Sohn selbst töten wollte erschien Narasingha und trickste ihn aus. Alle von Brahma versprochenen Regeln wurden beim töten eingehalten…

5.Vamana Der Avatar Vishnus als Zwerg rettete die Welt abermals vor einem bösen Dämon. Der Asura Bali hatte durch Frömmigkeit und Askese die Macht über die 3 Welten erlangt und drohte nun sogar den Status der Götter zu gefährden. Diese baten wiederum Vishnu um Hilfe, dieser verkörperte sich als Zwerg und lies sich eine List einfallen. Er trat zu Bali während seiner asketischen Übungen und bat um etwas Platz für seine Feueropfer, drei Schritte Land würden ihm genügen. Bali gewähte ihm dieses Land und Vamana zeigte seine wahre Gestalt als kosmische Form. Mit 2 Schritten durchritt er Himmel und Erde und überlies vor Gnade Bali die Unterwelt zu der er ihn verbannte.

6.Parasurama dieses ist keine direkte Inkarnation sondern Vishnu ist in den Brahmanen eingefahren um durch ihn gegen die Kshatriyas zu kämpfen. Parasurama taucht in vielen Geschichten auf, die Zeitlich sehr weit auseinander liegen, so zB im mahabharata und Ramayana Epos, in denen jeweils die beiden nächsten Avatare eine wichtige Rolle spielen. Er hat auch den König Kartavirya getötet, der die Wunscherfüllende Kuh Kamadhenu geklaut hatte…

7.Rama Dies ist dann eine der wichtigsten Inkarnationen Vishnus und spielt im heutigen Indien ein große Rolle. Er gilt als der ideale Mensch: Rechtschaffen, Intelligent und Schön. Vishnu ist hier erstmals mit Laxmi in form der schönen Sita gemeinsam inkarniert. Sita wird vom Dämonen Ravana entführt, Rama befreit sie und tötet den mächtigen Dämonen. Diese Geschichte wird im Ramayana Epos erzählt.

8.Krishna Er gilt als höchster und reinster Avatar von Vishnu und ist auch wieder mit Laxmi als Radha gemeinsam inkarniert. Krishna leitet das dunkle Zeitalter durch sein kommen ein, was bedeutet das in diesem “kali-Yuga” die Menschen sich ihrer Götlichen Natur nicht automatisch bewusst sind. Er verankert mit seinem Leben die Lehren welche zur Erkenntnis des höchsten führen. Seine Geschichten sind in vielen klassischen Texten aufgeschrieben, so vor allem in der Mahabharata. Krishnas Name erinnert neben seiner Lebensgeschichte an Jesus Christus, hier einige Parallelen:
-Geburt in Verbannung
-König wollte alle Neugeborenen töten
-beide Elternpaare wurden von himmlischen Boten gewarnt
-beide Lehrten vor allem einfachen Menschen
-beide sind Inbegriff von Liebe, Frieden und Mitgefühl
-beide starben gewaltsam und doch freiwillig
Ähnliche Parallelen findet man übrigens auch bei Buddha, spekulationen dazu möchte ich hier nicht hinzufügen.

9.Buddha Die Buddhisten sehen es etwas anders, aber aus Vaishnava (verehrer von Vishnu in verschiedensten Formen) Sicht wird gesagt Buddha kann nur eine Inkarnation von Vishnu sein. Im Buddhismus wir auch eine abfolge von Buddhas der Vergangenheit gelehrt, es gibt jedoch keinerlei Parallelen zu den Avataren Vishnus.

10.Kalki Auf einem weißen Pferd soll am Ende dieses Zeitalters Vishnu als Kalki auf die Welt kommen. Er soll laut überlieferung kommen um die korrupten Herrscher zu töten. Ich hoffe es ist bald soweit! Im Buddhismus gibt es eine Entsprechung dazu mit dem kommenden Buddha Maitreya.

Als weitere Inkarnationen sind noch zu nennen:
Dattatreya: eine Verkörperung von Brahma, Vishnu und Shiva in einem Körper.
HariHara oder Shankaranarayana: Shiva und Vishnu in einem, nicht verkörpert als Mensch.
Chaitanya: Mystiker aus dem 16.Jhd. gilt als Inkarnation von Radha und Krishna.

Wir können in den ersten 5 Inkarnationen eine klare evolutionäre Entwicklung beobachten, vom Fisch im Wasser über die Schildkröte als Amphibie zum Eber als Landtier und dann zum Halblöwen und schliesslich zum Zwerg. Die nachfolgendnen Avatare sind allesamt menschlich und können ebenso als eine Entwicklung im Bewusstsein betrachtet werden.

Seit Urzeiten streiten sich verschiedene spirituelle Strömungen Indiens darüber wer nun Recht hat und wessen Gott der höchste sei. Aus meiner vedantisch geprägten Sichtweise gibt es nur einen Gott oder ein Göttliches Prinzip, und das ist für alle gleich. Man kann es unterschiedlich betrachten und ihm verschiedene Namen geben.

So wie es im Islam heißt “La Illaha il Allah”- Es gibt keinen Gott ausser Gott!

Badrinath- Heiligster Ort für Vishnu

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