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- 108 wichtige Fachbegriffe in Yoga und Yogaphilosophie
- Chakra-Arbeit – Chakras und die Gunas
- Satsang Talk- über Kriya Yoga
“Kein anderes Werk der Sanskritliteratur hat in so hohem Maße das geistige Deutschland beschäftigt.”
Prof.
Helmuth von Glasenapp.“Mein Leben ist eine einzige Folge von Tragödien gewesen – und wenn diese bei mir keine
sichtbaren, unauslöschlichen Spuren hinterlassen haben, dann verdanke ich das der Lehre der Bhagavad-Gita.”
Mahatma Gandhi
Die Bhagavad Gita gilt nach dem Ikea-Katalog (!) und der Bibel als dritt meist gedrucktes Buch der Welt und umfasst etwa 700 Verse in reimform. Ich lese seit vielen Jahren immer mal wieder in der Bhagavad Gita und mag es gerne Übersetzungen und Kommentare von verschiedenen Meistern zu vergleichen. Viele Verse haben eine unglaubliche Tiefe und haben das Potential einen über Wochen zu beschäftigen. Manche Verse aber sind in meinen Augen (sicher bin ich noch nicht so weit) aber auch langweilig und nichts sagend. Vor einigen Tagen habe ich nochmals die ganze Gita gelesen und mir besondere Verse aufgeschrieben, daraus habe ich jetzt die Essenz zusammengefügt in 7 Versen. Diese sind eben nur eine Auswahl aus meiner beschränkten Sicht, jeder andere würde sicher eine andere Auswahl treffen.
Klassischer Weise wird der folgende Vers als Ekasloki bezeichnet, ein einzelner Vers der die Aussage der ganzen Bhagavad Gita knapp zusammen fasst:
XVIII.78 “Überall, wo Krishna, der Herr des Yoga ist, überall, wo Arjuna, der Bogenträger, ist, dort sind Reichtum, Sieg, Glück und feste Grundsätze; davon bin ich überzeugt!”
Es gibt auch eine traditionelle Weise die Bhagavad Gita in 7 Verse zusammenzufassen, die Sapta Sloki Gita jedoch gefällt diese mir nicht wirklich. Es sind die Verse:
- VIII-13, XI-36, XIII-13, VIII-9, XV-1, XV-15 und IX-34
Die nun folgenden Übersetzungen aus dem Sanskrit sind aus der Englischen übersetzung Swami Sivanandas von meinem Freund Sumitra Shang ins Deutsche übertragen worden, ich habe sie noch etwas angepasst. Weiter unten kommentiere ich noch diese 7 Verse, das “Narada Sapta Sloki Gita“.
II.42 “Blumige Worte finden die Unweisen, die an den rühmenden Worte der Veden gefallen finden, und sich sagen: Es gibt nichts anderes!”
IX.18. “Ich bin das Ziel, der Erhalter, der Herrscher, der Beobachter, die Wohnstatt, die Zuflucht, der Freund, der Ursprung, die Auflösung, die Grundlage, die Schatzkammer und der unvergängliche Same.”
IX.26. “Wer mir ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder ein wenig Wasser mit Hingabe darbringt, dessen so hingebungsvoll und mit reinem Geist gegebenes Opfer nehme Ich an.”
III.19 “Daher tue ohne Verhaftung stets das, was getan werden muss; denn durch verhaftungsloses Handeln erreicht der Mensch das Höchste”
VI.29. “Wenn sein Geist durch Yoga harmonisch geworden ist, sieht er das Selbst in allen Wesen wohnen und alle Wesen im Selbst. Er sieht überall dasselbe.”
XIII.29 “Derjenige sieht, der sieht, dass alle Handlungen allein von der Natur ausgeführt werden, und dass das Selbst handlungslos ist.”
II.46 “Für den Brahmanen mit Selbsterkenntnis sind alle Veden ebensoviel wert wie ein Wasserbehälter an einem überfluteten Ort.”
Die sieben Verse enthalten die Grundlegenden Konzepte der Gita, es geht im einzelnen um:
- Statement gegen Dogmatismus
- Was ist Gott?
- Bhakti Yoga – Weg der Hingabe
- Karma Yoga – Weg des Handelns
- Jnana Yoga – Weg der Erkenntnis
- Gunas – Wirkkräfte der Natur
- Loslassen von Wissen
Hier nun also eine kurze Interpretation der Verse:
II.42 “Blumige Worte finden die Unweisen, die an den rühmenden Worte der Veden gefallen finden, und sich sagen: Es gibt nichts anderes!”
Krishna schimpft in der Bhagavad Gita des öfteren über Dogmatiker und Anhänger des Ritualismus der alten Veden. Genau wie die Bibel gilt es auch die alten indischen Texte nicht immer wörtlich zu nehmen, sondern zwischen den Zeilen zu lesen und zu abstrahieren.
Swami Sivananda sagt:
“Auch Teufel können aus den Schriften Zitieren!”
Die Gita vermittelt viele verschiedene Ansichten und Wege zum spirituellen Ziel, für den Suchenden ist es sehr wichtig verschiedene Wege miteinander zu vergleichen und keinem blind zu folgen. noch wichtiger ist es, seinen eigenen Weg nicht für den einzig wahren zu halten, denn das grenzt ab und trennt. Ich stelle diesen Vers an die erste Stelle, weil ich genau dies für eines der großen Probleme der Menschheit halte.
IX.18. “Ich bin das Ziel, der Erhalter, der Herrscher, der Beobachter, die Wohnstatt, die Zuflucht, der Freund, der Ursprung, die Auflösung, die Grundlage, die Schatzkammer und der unvergängliche Same.”
Hier spricht Gott in Form von Krishna darüber was er genau ist, sicher gibt es noch unzählige weitere definitionen die Gott beschreiben, jedoch finde ich diese recht umfassend. Diese 12 Punkte geben ein umfassendes Bild von Gott, wobei Gott natürlich jenseits aller Vorstellungen ist. Diese Worte sind wie Pfeile die auf etwas hindeuten, aber eben nicht die Wahrheit. Um dieses Problem mit den Vorstellungen von Gott zu umgehen, gibt es im Christentum das Gebot “Du sollst dir kein Bild machen von Gott!” Es sei noch gesagt, das für mich “Gott” keine Persönlichkeit ist, es sich jedoch als solche offenbaren kann. Und ich mag “Gott” gerne als variable “x” benutzen, wo jeder sein eigenes Konzept einfügen kann.
- Ziel – Jeder Mensch möchte eins mit Gott sein, oder es erkennen, ob man es weiß oder nicht.
- Erhalter – Gott ist die Kraft die das Universum erhält, dem können wir vertrauen.
- Herrscher/ Meister- Gott lenkt und kontrolliert alles, auch in Form des eigenen Selbst.
- Beobachter/ Zeuge- Gott ist reines Gewahrsein jenseits aller Manifestation.
- Wohnstatt/ Reich – Gott ist unser zuhause, das was wir wahrlich sind.
- Zuflucht – Gott ist unsere Zuflucht, das wo wir im inneren Trost finden.
- Freund – Gott ist unser liebster Freund der immer für uns da ist.
- Ursprung/ Schöpfung – Gott ist die Kraft hinter dem Urknall, Schöpfer der Evolution.
- Auflösung/ Vernichtung – Gott ist nicht (nur) lieb, er ist auch für das vergehen zuständig.
- Grundlage allen Seins – Gott ist das Absolute, der Urgrund, das alldurchdringende.
- Schatzkammer/ Ruhestätte – Gott ist das allerinnerste und höchste in jedem Wesen.
- unvergänglicher Same – Gott hat unendliches Potential neues zu erschaffen.
IX.26. “Wer mir ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder ein wenig Wasser mit Hingabe darbringt, dessen so hingebungsvoll und mit reinem Geist gegebenes Opfer nehme Ich an.”
Unabhängig davon was das Wort in jedem von uns für eine Bedeutung hat, also auch wenn wir atheistisch heran gehen und sagen Gott ist eine Energieform o.ä., ist es aus spiritueller Sicht wichtig eine persönliche Beziehung zu diesem Göttlichen aufzubauen. In der Gita ist immer wieder die Rede von Opfern und Dienen. Beide Worte haben in unserer Kultur einen faden beigeschmack, daher schlage ich vor statt “Opfern” das Wort “Schenken” zu nehmen, und statt “Dienen” “Helfen” einzusetzen. Krishna sagt also er nimmt jedes Opfer an, wenn es mit Hingabe “geschenkt” wird.
Swami Sivananda sagt in seinem Kommentar zu diesem Vers:
“Du brauchst ihm keinen goldenen Tempel zu bauen,
baue einen goldenen Tempel in deinem Herzen!”
Gott oder das Göttliche wird sich uns nach und nach offenbaren, wenn wir immer wieder mit ihm in Verbindung treten und bereit sind zu schenken, zu opfern, etwas darzubringen. Wenn, und das ist entscheidend, es mit tiefer Hingabe und aus ganzem Herzen und mit reinem Geiste geschieht. Das bedeutet wir Opfern Gott etwas (Blatt, Blume, Frucht und Wasser sind nur Symbole) ohne dafür etwas zu erwarten.
III.19 “Daher tue ohne Verhaftung stets das, was getan werden muss; denn durch verhaftungsloses Handeln erreicht der Mensch das Höchste”
In diesem Vers steckt die Essenz des Karma Yoga, des Weges über die geistige Einstellung im alltäglichen Handeln. Im letzten Vers wurde Bhakti Yoga erklärt was letztlich bedeutet all sein Handeln Gott zu schenken und ihm zu helfen sich auszudrücken. Im Karma Yoga geht es nun vor allem darum, alles was man von Gott bekommt, also quasi jede Erfahrung die man macht, nicht als Frucht seines Handelns zu betrachten, sondern als Geschenk von Gott. So kommen wir zu einer Win-Win Situation: Wir schenken alles Gott und bekommen dafür alles von Gott zurück. Dadurch lösen wir uns nach uns nach von den Identifikationen die wir mit unserem Körper und vor allem unseren Gedanken haben und kommen mehr und mehr zum Selbst. Verhaftungslos handeln bedeutet stets zu tun was vor der Nase liegt, unser bestes zu geben zum Wohle aller Beteiligten und dann eben zu akzeptieren und dankend anzunehmen was wir bekommen. Ich denke Karma Yoga ist für eine tiefgreifende spirituelle Transformation entscheidend, denn hierdurch wird das Ego transzendiert.
VI.29. “Wenn sein Geist durch Yoga harmonisch geworden ist, sieht er das Selbst in allen Wesen wohnen und alle Wesen im Selbst. Er sieht überall dasselbe.”
Nachdem in den letzten beiden Versen die Essenz von Bhakti- und Karma Yoga vermittelt wurde, wird hier das Ziel und der Weg des Jnana Yoga vermittelt. Wenn also durch die Praxis des Yoga im weitesten Sinne der Geist zur Harmonie gekomen ist, kann erkannt werden. Dann kann das Einehitsbewussstsein offenbart werden, welches Krishna hier so schön beschreibt. Aus der Sichtweise des Jnana Yoga ist alles eins, ist die Welt Nondual und überall das Selbe als höchste Wirklichkeit zu sehen ist das Ziel.
Auch Srila Prabhupada übersetzt in diesem Sinne:
“Ein wahrer Yogi sieht Mich in allen Wesen und alle Wesen in Mir.
Wahrlich, die selbstverwirklichte Seele sieht Mich überall.”
Also das höchste Ziel ist die Verwirklichung dieses Einheitsbewusstseins, also zu erkennen das der Wesenskern des Selbst mit allem verbunden ist und man niemald getrennt war. So formulieren es die Jnanayogis, wohingegen ein Bhakta nicht das Ziel hat eins mit allem (Gott) zu werden, sondern Gott in allem zu sehen und diesem zu dienen. Ich denke es ist beides das Selbe, nur eben eine andere Formulierung. Dorthin kommen wir durch die Praxis des ganzheitlichen Yoga.
XIII.29 “Derjenige sieht, der sieht, dass alle Handlungen allein von der Natur ausgeführt werden, und dass das Selbst handlungslos ist.”
Dieses ist auch wieder eine sehr vedantische Sichtweise, die letztlich auch der Samkhya-Lehre kommt und auch Grundlage anderer Philosphien Indiens ist. Es wird gesagt das wahre Selbst ist z.B. Stille, Frieden, Sein, Bewusstsein, Bewegungslos, Liebe, etc. und dadurch ist es auch alldurchdringend, unbeschreibbar, untätig und alles übersteigend. Das Selbst ist immer Subjekt und niemals Objekt, es ist das Gewahrsein an sich und ist nichts was man beobachten oder wahrnehmen kann. Also tut das Selbst nichts, sondern die Wirkkräfte oder Eigenschaften der Natur sind es die Handeln. Es sind diese Gunas, die das ganze manifeste Universum durchdringen und lenken. Das Selbst ist handlungslos und lediglich sehend, so sagt es Krishna hier, und nur dann sehen wir tatsächlich, wenn wir selbst nicht mit dem Geschehen identifiziert sind.
II.46 “Für den Weisen mit Selbsterkenntnis ist alles Wissen ebensoviel wert wie ein Wasserbehälter an einem überfluteten Ort.”
Letztlich ist jede Praxis und jede Theorie im Sinne des Yoga nur Mittel zum Zweck. Jedes Konzept welches wir aus heiligen Texten oder von Meistern übernehmen sind wie eine Brücke um zum Ziel zu kommen, aber sie sind weder die Wahrheit noch die Wirklichkeit. Um zur höchsten Erkenntnis oder zur letzten Befreiung zu gelangen, müssen wir alle Vorstellungen, Konzepte, und Denkweisen loslassen, denn diese berschränken den Blick auf das Unbeschreibliche.Wenn wir die Selbsterkenntnis erlangt haben, wird alles andere wertlos, weil alles Eins ist. Allerdings ist es gut auch dann gängige Konzepte und Terminologien zu benutzen, um damit nicht noch mehr Verwirrung zu schaffen. Und so ist dieser letzte Vers der Narada Sapta Sloki Gita wieder den engstirnigen Intellektuellen gewidmet, die nicht zum Ziel kommen werden wenn sie weiter an ihren Denkweisen festhalten.
Hari Om Tat Sat!
Die folgenden Verse kamen übrigens auch in die engere Auswahl und sind aus meiner bescheidenen Sicht auch sehr wichtig, ich werde sie an anderer Stelle nochmals Kommentieren.
XVIII.66. “Gib alle Vorstellungen von Dharma (Pflicht, Religion, Tugend, Gesetz) auf und suche Zuflucht nur bei Mir alleine: Ich werde dich von allen schlechten Taten befreien; sorge dich nicht”
III.19 “Daher tue ohne Verhaftung stets das, was getan werden muss; denn durch verhaftungsloses Handeln erreicht der Mensch das Höchste.”
VII.24. “Die Törichten meinen, Ich, das Unmanifestierte, hätte Erscheinungsformen, da sie Mein höheres unveränderliches und überaus erhabenes Wesen nicht kennen.”
VI.35. “Zweifellos, Oh mächtig bewaffneter Arjuna, der Geist ist schwer zu beherrschen und ruhelos. Aber durch Abhyasa und Vairagya kann er bezähmt werden.”
IV.18. “Wer Akarma in Karma sieht und Karma in Akarma, ist weise unter den Menschen; er ist ein Yogi und führt alle Handlungen aus.”
XII.05. “Schwieriger ist es für Menschen, deren Geist auf das Nichtmanifeste gerichtet ist; denn das Ziel, das Nichtmanifeste, ist für den Verkörperten sehr schwer zu erreichen.”
Gerne möchte ich noch kurz an einem der Verse darstellen, wie unterschiedlich aus dem Sanskrit übersetzt werden kann, und wie sehr schon eine Übersetzung eine gewisse Interpretation enthält.
Es ist Vers II.46:
Swami Sivananda Englisch ins Deutsche “Für den Brahmanen mit Selbsterkenntnis sind alle Veden ebensoviel wert wie ein Wasserbehälter an einem überfluteten Ort.”
Swami Sivananda im original “To the Brahmana who has known the Self, all the Vedas are of as much use as is a reservoir of water in a place where there is a flood.”
Leopold von Schröder, lyrische Übersetzung”So viel ein Brunnen nützt, in den das Wasser strömt von allerwärts, So groß ist für die Priesterschaft der Nutzen, den der Veda bringt.”
Maharishi Mahesh Yogi “Für den Erleuchteten Brahmanen haben alle Veden keinen größeren Nutzen als ein kleiner Brunnen an einer Stelle, die allseits von Wasser überflutet ist.”
Bhaktivedanta Swami Prabhupada “So viel ein Brunnen nützt, in den das Wasser strömt von allerwärts, So groß ist für die Priesterschaft der Nutzen, den der Veda bringt.”
Ramakrishna Paramahamsa “So viel Nutzen wie dort ein Brunnen hat, wo von allen Seiten Wasser zusammenfließt, so viel Nutzen ist in allen Veden für den wissenden Brahmankenner.”
Pushpak.de Mahabharata Projekt “Denn soviel Nutzen ein Brunnen in einem Land hat, wo überall reine Quellen fließen, soviel Nutzen haben all die Veden für einen Brahmanen, der das Selbst erkannt hat.”
Dieter Koch, Indologe “Soviel Zweck in einer Wassertränke <liegt>, in die von allen <Seiten> Wasser zusammenfließt, soviel <Zweck> auch in allen Wissen [Veden] für den Kraft<-Kenner> [Brahmanen], der unterscheidet.”
Arjuna Fischer “Soviel Nutzen ein Teich hat in den von allen Seiten her das Wasser strömt, soviel nutzen haben die Veden für den Weisen der erkennt.”
Ich würde im Vers noch weitere Sanskritworte ins deztsche Übersetzen, und damit ergibt sich gekürzt etwa:
“Es nutzt das Wissen dem Erkennenden soviel, wie ein Wassergefäss bei einer Flut.”




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